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Kildalton Cross in der Morgensonne
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...aus der zweiten Hälfte des 8. Jh n.C.... ganz schön alt...
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Islay, Tag 7. Heute war kein Besuch einer Whiskydistillery angedacht,
sondern eine Vermessung der Insel von West nach Ost, Süd nach Nord,
kreuz und quer und wo man sonst noch so hinfahren kann. Dafür, das es
erst mein zweiter Tag als Geisterfahrer ist, habe ich mich ziemlich
schnell an die linke Straßenseite gewöhnt, fast schon, als wäre ich nie
anders gefahren. Ich startete Richtung Kildalton Cross, das ist eines
von mehreren keltischen Kreuzen aus dem Frühmittelalter. An den drei
Süddestillen Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg vorbei, sieht das auf der
Karte gar nicht so weit aus, der Weg zieht sich aber dermaßen lang hin,
das man schon ins Grübeln kommt, ob man nicht ausversehen schon vorbei
gefahren ist.



Als ich mir am Dienstag überlegte, was ich nach Lagavulin machen sollte,
hatte ich mal kurz mit dem Gedanken gespielt, da hin zu laufen... Das
wäre wohl ein böses Erwachen geworden... Endlich angekommen, freute ich
mich besonders darüber, das weit und breit keine Menschenseele zu sehen
war, die Morgensonne strahlte über den kleinen Friedhof und die Ruine
der kleinen Kapelle, ein schöner, ruhiger Moment. Nach ein paar Fotos
ging es zurück, ein letzter Blick auf die drei Whiskybrennereien der
Südküste geworfen, freundlich innerlich Adieu gesagt, fuhr ich jetzt
durch Port Ellen, an der Mälzerei vorbei auf die Halbinsel The Oa.
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Halbinsel Oa ... eher schlicht....
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...abgesehen vom American Monument...
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Wenn
mir die Lage des Kildalton Crosses eben noch vorkam wie das Ende der
Welt, so sah ich mich jetzt gezwungen, das zu revidieren... das Ende de
Welt ist eindeutig hier... Früher lebten wohl um die tausend Menschen
hier, heute sind es ca. 40... Der Gipfel der völlig kahlen Berg und
Tallandschaft bildet das American Monument, ein gar nicht sooo großer
Turm, der aber durchaus riesig wirkt, weil er auf dem Gipfel der kahlen
Landschaft steht. Er wurde zu Ehren der Amerikaner gebaut, die im ersten
Weltkrieg bei Schiffsunglücken um Islay ums Leben gekommen sind.
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Kilnave Cross
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...griechisches Fischerdorf ? Portnahaven !
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Nach dem südlichsten Teil der Insel ging es nun genau andersrum... in
den Norden. Der Ardnave Point ist zwar nicht die Nordspitze der Insel,
aber schon ziemlich weit nördlich... Man kann ziemlich nahe mit dem Auto
ranfahren, bis zur Spitze ist es allerdings ein Fußmarsch von ungefähr
einer Stunde, darauf verzichtete ich dann doch. Stattdessen inspizierte
ich das nächste Steinkreuz, das Kilnave Cross, ebenfalls neben der Ruine
einer Kapelle gelegen, sieht man bei diesem Kreuz aber deutlich, wie
der Zahn der Zeit am Stein genagt hat, alles was mal eckig war, ist
jetzt rund... Dann meldete sich langsam mein Magen, ich fuhr nach Port
Charlotte und genehmigte mir einen Burger. Weiter ging es dann zur
Westspitze der Insel, dieser Teil Islays nennt sich übrigens Rhinnes Of
Islay und war warscheinlich ganz früher mal eine seperate Insel. Vorbei
an den Resten der ehemaligen Port Charlotte Distillery, immer geradeaus
geht die Straße nach Portnahaven, auch die zieht sich länger hin, als
gedacht, ich mußte schon wieder ans Ende der Welt denken. Portnahaven
ist ein sehr malerisches Dorf, mit niedlichen kleinen Häuschen, die
einen kleinen Hafen umranden, gekrönt wird die Ortschaft von einem
gewaltigen Leuchtturm. Von da aus begab ich mich wieder in den Osten der
Insel, nach Bunnahabhain. Als ich am Mittwoch da war hatte es wie blöde
geregnet und ich war froh, das ich mit dem Auto mitgenommen wurde,
somit war keine Zeit übrig, Fotos zu machen, das wollte ich heute
nachholen. Auf dem gesamten Brennereigelände war heute kein Mensch zu
sehen, ich konnte in Ruhe knipsen. Rechts neben der Distillery, am Ufer
entlang über Felsen und Steinen vorbei liegt das Schiffswrack der Wyre
Majestic, die 1974 auf Grund lief. Da die Gewässer sehr kompliziert
sind, verzichtete man auf eine Bergung und ließ sie einfach dort liegen.
Der Rost von 38 Jahren hat schon gute Arbeit geleistet, man kann aber
noch vieles erkennen, schöne Bilder sind das geworden, die Klettertour
hat sich gelohnt.
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Bunnahabhain Distillery ohne Menschen
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Wyre Majestic... im Hintergrund die Paps Of Jura...
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Zum Abschluß des heutigen Inselcrossings stand dann
noch Finnlaggan an. Whiskyfreunde kennen den Namen von einer
Whiskyabfüllung gleichen Namens, welche von irgendeiner Islay Distillery
stammt.



Geschichtsliebhabern dagegen fällt dazu als erstes "Lords Of The Isles"
ein (darauf hin könnte man wieder kontern : oh ja, das war ein guter
Ardbeg...)... nun kurz, diese Lords waren die Herrscher der Inseln im
Mittelalter, und die Gebäuderuinen auf einer Insel im Loch Finlaggan,
war ihre Geschäftsstelle. In den letzten Jahren hat man das alles ein
wenig präpariert, mit Visitor Center und Ausstellung. Ich war wiederum
der einzige weit und breit und genoss auch dort die Ruhe und die gewisse
Magie solch historischer Orte. Auf dem Rückweg kam mir Familie Flodder
mit kreischenden Kindern, Kegeln und Hunden entgegen... puh, Glück
gehabt....
Morgen steht Jura auf dem Plan. Allerdings gibt es für morgen eine
Sturmwarnung, so das es möglich ist, das die Fähre nicht übersetzen
kann...hoffen wir mal das beste, für heute bedanke ich mich für die
Aufmerksamkeit und empfehle mich für morgen.
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Finlaggan... einst Zentrum der Lords Of The Isles... schon bisschen her...
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